Dr. Christine Kollmar
DIE KALKSCHULTER – Eine schmerzhafte Erkrankung und ihre Behandlung Christine Kollmar, Amir Steinitz
Die Schulter ist eines der beweglichsten Gelenke des menschlichen Körpers. Treten plötzlich Schmerzen und Bewegungseinschränkungen auf, kann eine sogenannte Kalkschulter die Ursache sein.
Die Erkrankung tritt gehäuft zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf und betrifft Frauen häufiger als Männer. Dabei bilden sich Kalziumablagerungen in den wichtigen Sehnen der Rotatorenmanschette. Diese Muskelgruppe, die vom Schulterblatt ausgeht, bildet ein bewegliches Scharnier für den Oberarmkopf im Schultergelenk. Die genaue Ursache für die Entstehung von Kalziumablagerungen ist noch nicht vollständig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass wiederholte Belastungen der Schulter – etwa bei Überkopfarbeiten im Beruf oder beim Sport – oder eine beeinträchtigte Durchblutung der Sehnen eine Rolle spielen. Auch Überlastungen, Verletzungen und natürliche Altersprozesse tragen zur Entstehung bei. Seltener sind Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder andere Erkrankungen ursächlich.
Das Krankheitsbild der Kalkschulter verläuft in Stadien: Zunächst kommt es durch Veränderungen der Zellstruktur zu Ablagerungen von Kalziumkristallen in den Sehnen. Dies ist nicht unbedingt schmerzhaft. Dringen jedoch Blutgefässe in diese Kalkdepots ein und versuchen Fresszellen, den Kalk abzubauen, entsteht ein erhöhter Druck in der Sehne – häufig verbunden mit starken Schmerzen. Oft entzündet sich dabei auch der Schleimbeutel unter dem Schulterdach. Im weiteren Verlauf kann sich der Kalk auf natürliche Weise zurückbilden, wodurch die Beschwerden nachlassen.
Schematische Darstellung einer Schulter mit Kalkdepot in der Sehne.
Die Symptome reichen von leichten Beschwerden bis hin zu einer vollständigen Bewegungsunfähigkeit des Armes mit stärksten Schmerzen. Typischerweise treten die Schmerzen bei Bewegungen über Kopf sowie beim Drehen oder Strecken des Armes auf und schränken dadurch den Aktionsradius erheblich ein. Im weiteren Verlauf können zusätzlich Ruheschmerzen mit stark eingeschränkter Nachtruhe auftreten.
Zur Diagnostik wird zunächst eine ausführliche Krankengeschichte erhoben, um mögliche Auslöser zu identifizieren. Anschliessend werden der Bewegungsumfang erfasst und die Funktion der Muskulatur geprüft. Ein Röntgenbild gibt rasch Aufschluss über Kalkablagerungen im Bereich des Schultergelenkes. Eine MRI-Untersuchung kann zusätzlich die Sehnenstrukturen beurteilen und begleitende Verletzungen ausschliessen.
In etwa 80% der Fälle lässt sich die Kalkschulter erfreulicherweise konservativ behandeln. Mit antientzündlichen Schmerzmitteln wie beispielsweise Ibuprofen können die Beschwerden gelindert werden. Bei starken Schmerzen sind Infiltrationen mit Kortison unter das Schulterdach sehr wirksam. Auch Physiotherapie sowie physikalische Massnahmen wie Stosswellentherapie, Dry Needling und Kinesiotapeverbände tragen zur Besserung bei. Ergänzend wirkt gezieltes Krafttraining unterstützend.
Nur bei langanhaltenden, wiederkehrenden Beschwerden sind operative Massnahmen angezeigt. Dabei wird über die Schlüssellochtechnik die gesamte Schulter inspiziert und die Kalkablagerung entfernt. Gleichzeitig können weitere Verletzungen oder Erkrankungen der Schulter direkt behandelt werden.
Eine richtige, individuell angepasste Therapie führt in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen zu einer deutlichen Besserung.
Wir begleiten Sie gern auf Ihrem Weg zur Schmerzfreiheit.
Dr. Amir Steinitz
Kalkdepot auf dem Röntgenbild einer Schulter.